Kultur am Stadtrand
Nach der Auffassung von Dr. Christoph Mager sind Kulturinstitutionen typisch städtisch, denn: „sie sind ein wichtiges Mass für Zentralität, das heisst sie üben als Teil der städtischen Versorgungsinfrastruktur Strahlwirkung auf ein mehr oder weniger umfangreiches Umland aus. Zum Ausstattungskatalog der Stadt zählen neben Theatern und Museen, deren Einzugsgebiete die Stadtgrenzen überschreiten, häufig auch sogenannte kulturelle Leuchttürme, denen eine nationale oder gar internationale Bedeutung zukommt.“[1] Im Gegensatz zum Zentrum besitzen die Randgebiete meist keine wichtigen kulturellen Einrichtungen. [2]
Mager beobachtet jedoch einen klaren Zuwachs an soziokulturellen Angeboten im Umland von deutschen Städten. Diese sind lokal verankert, nutzerorientiert und partizipativ, meist sogar durch Eigeninitiativen entwickelt worden.[3]
Wirft man einen Blick nach Wien, sieht man, dass bereits seit den 1990er Jahren Kunst- und Kulturprojekte gefördert werden, welche an den Stadträndern geschehen. Dies wird nach den beiden äusserst aktiven Wiener Kulturschaffenden Ivana Pilic und Anna Wiederhold gemacht, um einerseits neue Zielgruppen anzusprechen, anderseits um die Quartiere auch aufzuwerten. [4]
Zudem sind nach dem Wiener Politik- und Kommunikationswissenschaftler Walter Rohn Kulturprojekte in der Lage, „die Entwicklung städtischer Randgebiete positiv zu beeinflussen. Im Einzelnen können Kultureinrichtungen die kulturelle Infrastruktur von Aussenbezirken verdichten, die Demokratisierung von Kultur unterstützen sowie die städtebauliche Entwicklung und die Verbesserung der Lebensbedingungen fördern. Weitere mögliche positive Effekte von Kulturprojekten sind Beiträge zum Generieren von Arbeitsplätzen und zur Stimulierung der Kreativwirtschaft. Schliesslich können Kultureinrichtungen die Partizipation an politischen Prozessen und die Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen fördern sowie die Identität von Stadtteilen und die Identifikation der Bewohner[*innen] mit ihrem Stadtviertel stärken.“[5]
Nach Pilic und Wiederhold ermöglicht man zudem mit Projekten, welche in Quartieren stattfinden, Menschen, welche üblicherweise nur selten oder gar nicht in die Innenstadt gehen, den erleichterten Zugang zu Veranstaltungen. So baut man eine erste räumliche Barriere ab.[6]
Auch die Expert*innen in den Interviews der vorliegenden Arbeit betonten die Wichtigkeit der Projekte in Aussenquartieren. Die Erhöhung der Lebensqualität, des Austausches, des Dialogs, des Zugangs und die Wertschätzung waren Begriffe, die in diesem Zusammenhang wiederholt genannt wurden.[7]
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Quellen:
[1]Christoph Mager. Was liegt wo und weshalb. Standortstrukturen kultureller Einrichtungen in der Peripherie in: KM Kulturmanagement im Dialog, Peripherie, Nr. 126, 16.September 2017: https://www.kulturmanagement.net/dlf/0179c0cf4dd19727b0e923e107024471,1.pdf, (11.2.2022). S. 7-8.
[2] Ebd. S. 7-8.
[3]Ebd. S. 10.
[4]Ivana Pilic, Anne Wiederhold. Kunstpraxis in der Migrationsgesellschaft. Transkulturelle Handlungsstrategien am Beispiel Brunnenpassage Wien. KunstSozialRaum Bunnenpassage. Transcript, Wien 2015. S. 20.
[5]Walter Rohn. Kunst und Kultur am Stadtrand in: KM Kulturmanagement im Dialog, Peripherie, Nr. 126, 16. September 2017: https://www.kulturmanagement.net/dlf/0179c0cf4dd19727b0e923e107024471,1.pdf, (12.11.2021). S. 17-18.
[6]Ivana Pilic, Anne Wiederhold. Kunstpraxis in der Migrationsgesellschaft. Transkulturelle Handlungsstrategien am Beispiel Brunnenpassage Wien. KunstSozialRaum Bunnenpassage. Transcript, Wien 2015. S. 21-22.
[7] Diese Informationen sind aus den Interviews, die für diese Arbeit geführt wurden.